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Was in der Kerze steckt

Eine Geschichte über Bienchen, Blümchen und Erdöl.

Feierlich, romantisch oder behaglich. Kerzen sind mehr als nur ein Wärme- und Lichtspender, sondern können gut eingesetzt Gefühle und Stimmungen hervorrufen. Nicht umsonst spricht man von einem Candle Light Dinner, lässt den Weihnachtsbaum mit Kerzen erstrahlen oder dekoriert mit ihnen den Geburtstagskuchen, um beim Auspusten einen Wunsch fürs kommende Lebensjahr ins Universum zu schicken. Kerzen wurden bereits vor etwa 5.000 Jahren erfunden. Damals noch aus Schilfrohr und Talg sind bis heute viele weitere Inhaltsstoffe dazugekommen, die wir hier thematisieren wollen.

Denn auch bei Kerzen muss man zwischen Natur und Chemie unterscheiden.

Die heute im Handel erhältlichen Kerzen bestehen zumeist aus Paraffin-, Stearin-, Soja- oder Bienenwachs. Kerzen aus Paraffinwachs bilden den Hauptteil der in Europa verkauften Kerzen. Anders als die drei anderen Arten, enthält Paraffin weder pflanzliche noch tierische Inhaltsstoffe, sondern wird bei der Verarbeitung von Erdöl gewonnen. Millionen Deutsche schmücken ihren Tannenbaum also Jahr für Jahr mit dem Produkt einer Industrie, die täglich tausende Tonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgibt und damit einen großen Anteil am Klimawandel hat.

Kerzen aus Paraffinwachs haben eine geringere Dichte

Da es sich bei Erdöl um einen endlichen Rohstoff handelt, sind Paraffinkerzen nicht nachhaltig, aber trotzdem und vor allem günstig. Zumindest vermeintlich, denn durch die geringere Dichte, etwa im Vergleich zu einer Bienenwachskerze, verbrennt eine Paraffinkerze fast doppelt so schnell. Eine 100g schwere Kerze aus Paraffin brennt etwa 13,5 Stunden, eine aus Bienenwachs 25 Stunden. Die steigenden Importe und die Bindung von Paraffin an den Ölpreis können in Zukunft jedoch dafür sorgen, dass die Preise steigen. Als Reaktion experimentieren einige Hersteller bereits mit alternativen chemischen Substanzen. Eine vermeintlich ökologische Alternative zu Paraffin sind Kerzen aus Stearin, die den größten Absatz nicht chemischer Kerzen ausmachen. Doch auch Stearin hat seine Schattenseiten.

Stearinwachs wird größtenteils aus Palmöl hergestellt

Für die Produktion von Palmöl und somit auch Stearinwachs werden stündlich mehrere Hektar Lebensraum von teilweise bedrohten Tierarten gerodet. Mittlerweile erstrecken sich die Anbauflächen weltweit auf eine Fläche von etwa 19 Millionen Hektar, was etwa der Hälfte der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Für den Erhalt von Orang-Utans ist in dem Milliardengeschäft kein Platz. Neben der biologischen Vielfalt ist der Anbau und die Schaffung riesiger Monokulturen auch für einen Teil des Klimawandels verantwortlich. Nicht nur werden wichtige Kohlenstoffspeicher vernichtet, die Brandrodung erzeugt zusätzlich CO2, was in die Atmosphäre gelangt. Ein Teufelskreis. Auch Verletzungen der Menschenrechte, wie etwa durch die Vertreibung von Bauern, oder mangelhaften Arbeitsbedingungen auf den Plantagen machen Palmöl und damit auch Stearinwachs zu keiner guten Alternative.

Allerdings ist lobend zu erwähnen, dass sich immer mehr Firmen dem „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ anschließen und nach Wegen suchen, den Anbau und die Verarbeitung von Palmöl nachhaltig und fair zu gestalten. Die langen Transportwege per Schiff nach Europa werden sich jedoch nie vermeiden lassen.

Ähnliche Probleme gibt es auch bei der Produktion von Sojawachskerzen. Zwar wird mittlerweile auch in Ländern wie Italien, Serbien oder Frankreich Soja angebaut, doch der geerntete Teil reicht bei weiten nicht aus, um den Bedarf in der gesamten EU zu decken, weshalb jährlich mehrere Millionen Tonnen Soja importiert werden müssen. Tendenz steigend. Versorgt wird Europa und damit auch Deutschland hauptsächlich von Brasilien und Argentinien, die neben den USA zu den drei weltweit größten Produzenten von Soja gehören. Doch die steigende Produktion sorgt dafür, dass für den Anbau, zumindest in Südamerika jährlich immer mehr Regenwald in Agrarflächen verwandelt wird. Ähnlich wie beim Palmöl gibt es auch im Sojaanbau bei vielen Unternehmen wenig Interesse daran, aktiv etwas gegen die Entwaldung, Zerstörung von Ökosystemen und Menschenrechtsverletzungen zu unternehmen. Mit der vom WWF erstellten Händler-Scorecard könnt ihr euch darüber informieren, welche Maßnahmen einige der größten Sojahändler weltweit ergreifen, um den An- und Abbau von Soja fairer zu gestalten.

Entscheidend sind regionale Produktionen und kurze Transportwege

Eine Lösung, um die CO2 Belastung, die durch die Produktion, die Verarbeitung und den Transport entsteht, so gering wie möglich zu halten, ist die Verwendung von regionalen Produkten mit kurzen Wegen. Nicht zuletzt deshalb haben wir beschlossen, ausschließlich Kerzen aus gewissenhaft gehandeltem Soja-, Raps- und Bienenwachs anzubieten. Raps ist ein schnell nachwachsender und vollständig biologisch abbaubarer Rohstoff, der auch in Deutschland angebaut oder aus Nachbarländern wie Frankreich und den Niederlanden importiert wird. Die von uns angebotenen veganen Kerzen bestehen ausschließlich aus zertifiziertem, gentechnisch unbehandeltem, gehärtetem Rapsöl aus regionalem oder biologischem Anbau. Mit ca. 17 Stunden Brenndauer bei einem Gewicht von 100g haben Rapswachskerzen zusätzlich eine längere Brenndauer als ihre Kollegen aus Paraffin oder Stearin und verbrennen deutlich sauberer.

Geschlagen wird die Länge der Brenndauer nur von Kerzen aus Bienenwachs, die dabei ein warmes, helles Licht (ähnlich dem der Sonne) abgeben und wunderschön nach Honig duften. Nicht zuletzt wegen dieser einzigartigen Kombination sollte man Bienenwachskerzen bewusst verwenden und wertschätzen. Schließlich handelt es sich nicht um industriell hergestelltes Wachs, sondern um das Ergebnis der Arbeit von Millionen von Arbeitsbienen. Das erklärt auch, warum Bienenwachskerzen vergleichsweise teuer sind.

Deswegen bevorzugen wir Bienenwachskerzen direkt vom Imker

Da auch Bienenwachs immer häufiger aus Ländern wie China oder Südafrika nach Europa importiert wird, ist es uns sehr wichtig, Produkte anzubieten, die regional und ohne die Zufuhr von importiertem Bienenwachs produziert werden. Deswegen bevorzugen wir Bienenwachskerzen direkt vom Imker. Zum jetzigen Zeitpunkt wird es den Verbrauchern nicht leicht gemacht, ohne langes Suchen Kerzen zu erwerben, die biologisch, umweltfreundlich und nachhaltig hergestellt werden.

Dies versucht The Northern South zu erleichtern. Bei unseren Zulieferern setzen wir auf kleine, teilweise familiengeführte Manufakturen und Kunsthandwerksbetriebe aus Europa. Durch den direkten Kontakt können wir garantieren, dass unsere hohen Ansprüche erfüllt werden. Einen Teil unserer Rapswachskerzen beziehen wir von der Wiener Manufaktur Paliti, die für ihre Kerzen ausschließlich Bioprodukte aus europäischem Anbau verwendet. Die Dochte der Kerzen sind aus reiner ungebleichter Baumwolle gefertigt. Weitere Kerzen aus Rapswachs beziehen wir aus der mittlerweile zehnköpfigen Manufaktur Up Candle aus dem Herzen Berlins. Auch hier wird darauf geachtet, regionale Produkte mit einer bestmöglichen CO2-Bilanz zu verwenden. Für die Duftkerzen werden ausgewählte ätherische Öle genutzt, wie beispielsweise Kiefernöl aus dem märkischen Umland, Lavendelöl aus Frankreich und Rosmarinöl aus Italien. Unsere Kerzen aus Bienenwachs erwerben wir von dem englischen Familienunternehmen Five Bees Yard, das bereits in dritter Generation mehrere Imkereien betreibt. Produziert wird komplett ohne Chemikalien oder Bleichmittel. Ebenfalls in Familienhand ist das lettische Unternehmen The Munio, unser Produzent und Lieferant für Sojawachskerzen. Verwendet wird nur 100% natürliches Sojawachs, das in Handarbeit zu wunderschönen Kerzen verarbeitet wird, für die kein Regenwald abgeholzt werden musste. Alle diese Unternehmen vereint die Liebe zur Natur und das Bestreben, ihre Produkte nachhaltig und mit Bedacht zu produzieren. Und mit ebensolcher Bedachtsamkeit wählen wir unser Sortiment aus. Denn beim Kaufen und Nutzen von Kerzen sollte es um positive Gefühle gehen und nicht darum, sich fragen zu müssen, ob sie fair und nachhaltig produziert wurden.

Autor: Steven Noll